Suchergebnisse
Diese Website durchsuchen
17 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche
- Freizeit | Und dann fing das L…
Biografisch-fotografische Recherche von Ayse Yavas und Gaby Fierz über Migration, Familiengeschichten und das Leben zwischen der Schweiz und der Türkei. Multimedia Freizeit 1/4 Up Up Birr, AG. Weihnaten 1983. Familie Recan feiert mit befreundeter italienischer Familie Weihnachten. Privatfotografie: Familie Recan. Birr, AG. Weihnachten 1983. Familie Recan feiert mit befreundeter italienischer Familie Weihnachten. Privatfotografie: Familie Recan. Birr, AG. Weihnaten 1983. Familie Recan feiert mit befreundeter italienischer Familie Weihnachten. Privatfotografie: Familie Recan. 1/15 Foto: Nesteren Tural Sprecherin: Nesteren Tural Home Archiv Ab Ende der 1970er -Jahre prägte der VHS-Videorekorder die Freizeitkultur entscheidend... Mehr >>> Freizeit 2/4 Region Brugg, AG. 1970er-Jahre. Die Familie Recan bei einem Picknick mit Freund:innen. Privatfotografie: Familie Recan Binsenweiher, Windisch, AG. 1980er-Jahre. Familie Yavaş mit befreundeter Familie Yavuz auf dem Heimweg vom Picknick. Privatfotografie: Familie Yavaş. Istanbul. Anfang 1960er-Jahre. Hamdi Ulukurt mit Freunden in einem Restaurant. Privatfotografie: Margrit Zimmermann. Region Brugg, AG. 1970er-Jahre. Die Familie Recan bei einem Picknick mit Freund:innen. Privatfotografie: Familie Recan 1/16 Foto: Ümmügül Varan Sprecherin: Ümmügül Varan Home Archiv Freizeit 3/4 1990er-Jahre. Ercan Recan (l.) und Göksin Varan: Privatfotografie: Ercan Recan. Brugg, AG. 1980er-Jahre. Hüseyin Yavaş (l.) und Mustafa Yavuz beim Tanz. Privatfotografie: Familie Yavaş. Birr, AG. 1988. Die Familie Recan im Gartenhaus in den Schrebergärten der Siedlung «In den Wyden». In der Mitte des Bildes: Cevdet Recan. Privatfotografie: Familie Recan. 1990er-Jahre. Ercan Recan (l.) und Göksin Varan: Privatfotografie: Ercan Recan. 1/4 Foto: Gökşin Varan Sprecher: Gökşin Varan Home Archiv Freizeit 4/4 Hergiswil, LU. Juni 2009. Ausflug an den Vierwaldstättersee v.l.n.r. Ercan Recan, Gökşin Varan, Gökhan, Özgür Yıldız. Privatfotografie: Ercan Recan. Birr, AG. 1987. Ercan Recan und Özgür Yildız am Grümpelturnier. Privatfotografie: Ercan Recan. Brugg, AG. Ende 1970er-Jahre. Özgür Yıldız (vordere Reihe in der Mitte), seine Schwester (rechts hinten von ihm) und Nesteren Tural (hintere Reihe 2. von links) im Folklorekurs, der vom türkischen Konsulat organisiert wurde. Privatfotografie: Nesteren Tural. Hergiswil, LU. Juni 2009. Ausflug an den Vierwaldstättersee v.l.n.r. Ercan Recan, Gökşin Varan, Gökhan, Özgür Yıldız. Privatfotografie: Ercan Recan. 1/8 Foto: Özgür Yıldız Sprecher: Özgür Yıldız Home Archiv Wir freuen uns über Anregungen und Kommentare, senden Sie uns eine E-Mail Impressum
- Reisen | Und dann fing das L…
Biografisch-fotografische Recherche von Ayse Yavas und Gaby Fierz über Migration, Familiengeschichten und das Leben zwischen der Schweiz und der Türkei. Multimedia Reisen 1/5 München, Deutschland. Ca. 1983. Familie Yavaş auf der Reise nach Istanbul im Bahnhof München. Privatfotografie: Familie Yavaş. Istanbul. 1964. Margrit Zimmermann auf der Bosporusfähre. Privatfotografie: Margrit Zimmermann. München, Deutschland. Ca. 1983. Familie Yavaş auf der Reise nach Istanbul im Bahnhof München. Privatfotografie: Familie Yavaş. 1/2 Foto: Margrit Zimmermann Sprecherin: Margrit Zimmermann Home Archiv Up Up In den fünf Wochen Sommerferien pro Jahr besuchten die Familien ihre Verwandten in der... Mehr >>> Reisen 2/5 Andreewo-Kapıkule, Grenzposten Bulgarien:Türkei. Ca. 1975. Die Familie Yeşiltepe und ihre Freund:innen vor dem Grenzübergang. Fotografie: Familie Yeşiltepe. 1970er-Jahre. Memduh Yeşiltepe ruht sich einen Moment, bevor die Fahrt nach Istanbul weitergeht. Privatfotografie: Familie Yeşiltepe. Griechisch-Türkische Grenze. 2015. Auf der Fahrt nach Istanbul. Privatfotografie: Familie Yavaş. Andreewo-Kapıkule, Grenzposten Bulgarien:Türkei. Ca. 1975. Die Familie Yeşiltepe und ihre Freund:innen vor dem Grenzübergang. Fotografie: Familie Yeşiltepe. 1/9 Home Archiv Reisen 3/5 Pamukkale, Türkei. 1985. Filiz Kıran (verheiratet Kolcu). in den Ferien. Privatfotografie: Familie Kıran. München, Deutschland. Ca. 1983. Familie Yavaş auf der Reise nach Istanbul im Bahnhof München. Privatfotografie: Familie Yavaş. Doğancılı, Schwarzes Meer. 1974. Familie Yavaş mit Freunden am Strand. Privatfotografie: Familie Yavaş. Pamukkale, Türkei. 1985. Filiz Kıran (verheiratet Kolcu). in den Ferien. Privatfotografie: Familie Kıran. 1/19 Foto: Malik Kolcu Sprecher:innen: Malik Kolcu, Elif La Roche, Peri La Roche Home Archiv Reisen 4/5 Schweiz. Kt. Uri, Maderanertal 2025 Schweiz. Kt. Uri, Maderanertal 2025, "Butzli-See" Doğancılı, Schwarzes Meer. 2014. Familie Yavaş-La Roche am Strand. Privatfotografie: Familie Yavaş. Schweiz. Kt. Uri, Maderanertal 2025 1/12 Foto: Andreas La Roche Sprecher: A ndreas La Roche Home Archiv 1970er-Jahre. Rast auf der Fahrt in die Türkei. Privatfotografie: Familie Yeşiltepe. Venedig, Italien. Ca. 1988. Hüseyin und Meryem Yavaş mit Tochter Lale Türkan vor der Rialtobrücke. Privatfotografie: Familie Yavaş. Paris. 1980er-Jahre. Cevdet und Oya Recan vor der Notre-Dame. Privatfotografie: Familie Recan. 1970er-Jahre. Rast auf der Fahrt in die Türkei. Privatfotografie: Familie Yeşiltepe. 1/14 Reisen 5/5 Home Archiv Wir freuen uns über Anregungen und Kommentare, senden Sie uns eine E-Mail Impressum
- Schule | Und dann fing das L…
Biografisch-fotografische Recherche von Ayse Yavas und Gaby Fierz über Migration, Familiengeschichten und das Leben zwischen der Schweiz und der Türkei. Multimedia Schule 1/4 Up Up Ca. 1980. Filiz Kolcu erinnert sich sehr gerne an die Wanderausflüge während ihrer Primarschulzeit. Privatfotografie: Familie Kolcu Ca. 1980. Filiz Kolcu beim Picknick auf der Wanderung während ihrer Primarschulzeit. Privatfotografie: Familie Kolcu Buchs, AG. 1989. Entlassungszeugnis von Filiz Kolcu aus der Sekundarschule. Dokument: Filiz Kolcu. Ca. 1980. Filiz Kolcu erinnert sich sehr gerne an die Wanderausflüge während ihrer Primarschulzeit. Privatfotografie: Familie Kolcu 1/5 Foto: Filiz Kolcu Sprecher:innen: Filiz Kolcu, Nesteren Tural Home Archiv Der Entscheid, zu migrieren, ist verbunden mit dem Wunsch nach einem besseren Leben. Realisieren... Mehr >>> Schule 2/4 Dogancılı, Schwarzes Meer. 1975. Ayse Yavas. Privatfotografie: Familie Yavaş. Üsküdar-Fıstıkağacı, Istanbul. 1987. Anadolu-Lisesi, wo Genç Osman Yavaş von 1987 - 1989 in die Schule ging. Privatfotografie: Genç Osman Yavaş. Üsküdar-Fıstıkağacı, Istanbul. Genç Osman Yavaş im Anadolu Lisesi, das er zwischen 1987-1989 besucht. Privatfotografie: Genç Osman Yavaş. Dogancılı, Schwarzes Meer. 1975. Ayse Yavas. Privatfotografie: Familie Yavaş. 1/8 Foto: Hansjörg Gfeller Sprecher: Hansjörg Gfeller Home Archiv Schule 3/4 Foto: Phillipp Burger Sprecher: Phillip Burger Home Archiv Schule 4/4 Birr AG. 1986. Ercan Recan (Mitte beim Abwaschen) im Kochunterricht in der 4. Primarklasse. Privatfotografie: Ercan Recan. Maslak, Istanbul. 2000. Ercan Recan an seiner Diplomfeier, Universität ITÜ. Privatfotografie: Ercan Recan. Birr AG. 1987. Ercan Recan in der Primarschule 5. Klasse im Pestalozzi Schulhaus. Privatfotografie: Ercan Recan. Birr AG. 1986. Ercan Recan (Mitte beim Abwaschen) im Kochunterricht in der 4. Primarklasse. Privatfotografie: Ercan Recan. 1/11 Foto : Ercan Recan Sprecher:in: Lale Türkan Yavas, Ercan Recan Home Archiv Wir freuen uns über Anregungen und Kommentare, senden Sie uns eine E-Mail Impressum
- Medien-Echo-Theater | Und dann fing das L…
Biografisch-fotografische Recherche von Ayse Yavas und Gaby Fierz über Migration, Familiengeschichten und das Leben zwischen der Schweiz und der Türkei. Medien Echo Home Up Up Theater Medien Print Audio Gästebuch 1 1/30 Gästebuch 2 1/11 Gästebuch 3 1/41 Theater Sogar «Und dann fing das Leben an» eine türkisch-schweizerische Einwanderungsgeschichte Yani hep yakında döneceğinizi mi düşündünüz? temelli, temelli, temelli. O yüzden mi beni Türkiye’de okula başlattırdınız? Ihr habt also immer gedacht, dass ihr bald zurückkehrt? Immer immer immer. Und darum musste ich die Schule in der Türkei beginnen? Sogar Theater ©Ayse Yavas Das Stück ist zeitgleich zur Ausstellung entstanden. Es basiert auf Interviews, die Ayse Yavas und Gaby Fierz im Rahmen ihrer biografisch-fotografischen Recherche geführt haben. Mutter, Tochter und Enkeltochter einer schweizerisch-türkischen Einwanderungsfamilie treffen sich vor einem Stapel Fotoalben und geraten ins Erzählen. Neben schönen und weniger schönen Erinnerungen kommen nach und nach auch Ängste, Wut und Hoffnungen auf den Tisch. Beim Erzählen nehmen die drei Frauen ganz unterschiedliche Perspektiven ein. Und sprechen zum ersten Mal Dinge aus, die sie lange für sich behalten haben. Mit Eleni Haupt, Beren Tuna, Monika Varga Regie: Ursina Greuel Kostüme: Cornelia Peter Licht: Yahya Hazrouka Oeil extérieur: Sibylle Burkart Eine Matterhorn Produktion in Koproduktion mit dem sogar theater Zürich Wir freuen uns über Anregungen und Kommentare, senden Sie uns eine E-Mail Impressum
- Ausstellung | Und dann fing das L…
Biografisch-fotografische Recherche von Ayse Yavas und Gaby Fierz über Migration, Familiengeschichten und das Leben zwischen der Schweiz und der Türkei. Ausstellung Up Up Home Fotos Making of Stadtmuseum Aarau 17. März – 12. Juni 2022 Photobastei Zürich 16. September – 6. November 2022 K-Haus Kaserne Basel 15. Januar - 12. März 2023 Museum Gazhane Istanbul 2. November 2023 - 24. Januar 2024 Wir freuen uns über Anregungen und Kommentare, senden Sie uns eine E-Mail Impressum
- Texte | Und dann fing das L…
Biografisch-fotografische Recherche von Ayse Yavas und Gaby Fierz über Migration, Familiengeschichten und das Leben zwischen der Schweiz und der Türkei. Up Up Home Eigentlich wollte ich nach Kanada auswandern. Eher zufällig wurde e s dann die Schweiz. Gemeinsam mit zehn Freunden kam er 1963 im Bahnhof Brugg an. In den folgenden Jahren vermittelte er 70 Männern aus dem Dorf Doğancılı am Schwarzen Meer und Anadolu Hisarı, einem Vorort von Istanbul, eine Arbeitsstelle in den Aargauer Industriebetrieben. Nach gut 50 Jahren beginnt sich die Tochter, die mit 16 Jahren von zu Hause auszog, für die Geschichte(n) ihrer Eltern und deren Freund*innen und Bekannte zu interessieren: Ayse Yavas will wissen, wer sie waren, was sie erlebten, sich wünschten, wie sie sich fühlten und wie sie heute darüber denken. Die gemeinsame Spurensuche beginnt in Anadolu Hisarı und im Dorf Doğancılı mit Interviews der Eltern, die nach 38 Jahren Leben und Arbeiten in Brugg und Windisch die Schweiz 1997 Richtung Türkei verliessen. Während sie den damals dreijährigen Sohn Attila mitnahmen, blieb die jüngere Tochter Lale, die das Gymnasium in Wettingen besuchte, bei ihrer älteren Schwester Ayşe in Zürich. Der ältere Sohn Gençosman war bereits Mitte der 1980er -Jahre nach Istanbul gezogen. Fotografien faszinieren Ayse Yavas seit ihrer Kindheit. Als Teenagerin begann sie, ein Fotoalbum in Form eines fotografischen Tagebuchs zu führen. Mit der Kamera war sie unterwegs auf der Suche nach ihrer Identität. Die Ausstellung zeigt ein erweitertes Familienalbum. Wir haben Verwandte, Freund:innen und Bekannte der Familie Yavaş in Windisch, Brugg, Baden, Zürich, Anadolu Hisarı und Doğancılı getroffen. Sie haben ihre Erinnerungen und Geschichten mit uns geteilt. Dieser Schatz von Erzählungen und privaten Fotografien, die sie uns anvertraut haben, zeigen Bilder von «Gastarbeiterfamilien» jenseits der normierten Fabrik- und Barackenbewohner:innen- Darstellungen. Sie geben Einblick in die bewusste Gestaltung und Inszenierung des persönlichen Lebens. Dabei geht um die universellen Themen Liebe, Heirat, Familie, Kindheit, Schule, Arbeit, Wohnen, Reisen, Freizeit, Sehnsucht, Träume und Wertvorstellungen. Zum Familienalbum gehören auch die zeitgenössischen Fotoporträts von den Mitgliedern der erweiterten Familie, die Ayse Yavas während der Recherchen realisiert hat. Einen ganz herzlichen Dank geht an unsere Interviewpartner:innen für Ihre Bereitschaft, am erweiterten Familienalbum mitzuwirken: Meryem Yavaş, Hüseyin Yavaş (1939-2019), Genç Osman Yavaş, Lale Türkan Yavaş, Atilla Yavaş, Memduh Yeşiltepe, Nesrin Yeşiltepe, Peri La Roche, Elif La Roche, Andreas La Roche, Cahit Yurtsever, Tüba Saxer, Atyie Yavaş, Nihal Kıran, Ibrahim Kıran, Hansjürg Gfeller, Markus Mäder, Malik Kolcu, Filiz Kolcu, Gökşin Varan, Ümmügül Varan, Murat Muharrem Varan, Özgür Yıldız, Nesteren Tural Recan, Devin Tural, Ercan Recan, Selahattin Güneş, Philipp Burger, Emre, Neda Sakancy, Imre Sakancy, Margrit Zimmermann, Güzin Merve. Arbeit-Ankunft Home «Bahnhof, gäll!» Hüseyin Yavaş Arbeitsuchende aus der Türkei durften nur dann in die Schweiz einreisen, wenn sie bereits eine Arbeitsstelle oder eine Aufenthaltsbewilligung vorweisen konnten. Anders als mit Italien (1946) und mit Spanien (1961) schloss die Schweiz – trotz Bemühungen von türkischen Diplomaten und Schweizer Unternehmern, wie dem Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler, – nie ein Anwerbeabkommen mit der Türkei ab. Zu fremd sei die Kultur und die Religion, argumentierten die Gegner:innen. Die ersten Arbeiter:innen kamen vor allem aus dem Westen und den urbanen Zentren der Türkei über Verwandte, Bekannte oder Schlepper in die Schweiz. So vermittelte auch Hüseyin Yavaş 70 Männern aus dem Istanbuler Stadtteil Anadolu Hisarı und dem Dorf am Schwarzen Meer, Doğancılı, Arbeitsstellen in der Giesserei der Georg Fischer AG und anderen Aargauer Industriebetrieben. Von der Schweiz offiziell ungewollt, hingegen von Unternehmen gezielt angeworben, befanden sich die Arbeiter:innen aus der Türkei oft in einem rechtlichen Graubereich. Solange die Schweizer Wirtschaft auf Arbeitskräfte angewiesen war, wurden sie zu niedrigen Löhnen eingestellt und von den Behörden toleriert. Die Ölkrise in den 1970er -Jahren hatte auch in der Schweiz eine wirtschaftliche Rezession zur Folge. Viele Arbeiter:innen ohne Schweizer Pass befürchteten, ihre Arbeitsstelle zu verlieren oder gar zurückgeschickt zu werden. In der Schweizer Öffentlichkeit wurde ein negatives Bild der Einwanderer:innen aus der Türkei gezeichnet. Von «Überfremdung» und «Türkenproblem» war die Rede. Später nach der Machtübernahme der Militärs 1980 in der Türkei, als vermehrt politisch Aktive und Angehörige der kurdischen, alevitischen, armenischen und assyrischen Minderheiten in der Schweiz Asyl beantragten, wurden sie negativ als «Pseudo-Asylant:innen» dargestellt. 1982 führte die Schweiz die Visumspflicht für türkische Staatsangehörige ein. Heute leben in der Schweiz rund 130 000 Personen mit familiären Verbindungen in der Türkei. Rund die Hälfte haben sich einbürgern lassen. Auch wenn inzwischen bereits die dritte Generation ihren Lebensmittelpunkt in der Schweiz hat, haben Erfahrungen von Ablehnung und Ausgeschlossensein bei Eltern, Kindern und Enkeln Spuren hinterlassen. Quellen: Ideli, M.; Suter Reich, V.; Kieser, H.-L. (2011). Neue Menschenlandschaften. Migration Türkei-Schweiz 1961 -2011. Zürich: Chronos Historischses Lexikon der Schweiz URL: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D3374.php , Zugriff 17.6.2015) Ideli, M. (2020). Neue Medien. Impetus von Integration, Transnationalität und Diaspora. Seismo: Zürich, Genf Erste Wohnungen «Die Schweizer:innen waren damals auch nicht reich. Sie vermieteten Zimmer ohne jeglichen Komfort: mit Holzofenheizung und Badezuber im Keller.» Nihal Kıran Wer es sich leisten konnte, mietete bei einer Schweizer Familie ein Zimmer für CHF 50.00 , um nicht in der Pension der Arbeitgeber wohnen zu müssen. Sie seien freundlich aufgenommen worden, erinnert sich Meryem Yavaş. Die Schwierigkeiten hätten erst begonnen, als sie eine Familie gründen wollten. Da hiess es: «Für Kinder ist kein Platz». Doch eine eigene Wohnung zu finden, war nicht einfach. Er sei fast verzweifelt, sagt Muharrem Murat Varan – auch aufgrund der Rassismuserfahrungen, die er machen musste. «Seitens Vermieterschaft hiess es oft: “Ausländer unerwünscht“, so Varan. Einmal, erzählt er weiter, habe ihm einer gesagt: «Dann geh doch mit deiner Frau in der Bahnhofshalle übernachten.» Er vergesse nie mehr, wie froh er gewesen sei, dass es dann in den Wyden geklappt habe. «Die Wohnung habe ich aber auch nur erhalten, weil mich mein Vorarbeiter empfohlen hat.» Fabrikarbeit Georg Fischer AG Hüseyin Yavaş und seine zehn Freunde, die 1963 nach Brugg kamen, arbeiteten in der Giesserei der Georg Fischer AG. Aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch aufgrund von Klagen der Bevölkerung über die schädlichen Geruchsimmissionen, wurde 1971 die Giesserei stillgelegt und abgerissen. Den Arbeitetnehmenden wurden Stellen an anderen Standorten der Georg Fischer AG angeboten, bei der Tochterfirma Oehler in Aarau oder in den Betrieben in Schaffhausen. 1988 beschloss die Georg Fischer AG alle ihre Fabriken in Brugg zu schliessen. Isoplast AG Meryem Yavaş’ erste Arbeitsstelle (1968 ) in der Schweiz war bei der Verbandmaterialherstellerin Isoplast AG in Brugg. 1972 wurde das Unternehmen von der Schaffhauser Konkurrentin Internationale Verbandstoff-Fabrik IVF aufgekauft. 2002 gab die IVF Hartmann Gruppe die Produktion in Brugg auf. Die Isoplast AG als Pionierin auf dem Feld der Wundschnellverbände war mit ihrem Werbeslogan «heile, heile Säge und Isoplast zum Pfläge» während Jahrzehnten einer breiten Bevölkerung ein Begriff. Brugg Kabel AG (früher Kabelwerke Brugg AG) Langjährige Arbeitgeberin von Meryem und Hüseyin Yavaş sowie weiteren Frauen und Männern aus der Türkei war die Brugg Kabel AG, die sich auf Brugger und Windischer Gemeindegebiet befindet. Das Unternehmen ist auf die Herstellung von Kabeln und Kabelsystemen spezialisiert. Eröffnet wurde sie 1896 als Filiale der Herisauer Einzelfirma, die von Gottlieb Suhner gegründet wurde. 2020 übernahm die italienische Gruppe Terna S.p.A. die Brugg Kabel AG. Chocolat Frey In den Fabrikhallen der Chocolat Frey arbeiten mehrheitlich Frauen, auch Nihal Kıran, Meryem Yavaş und Filiz Kolcu waren zu unterschiedlichen Zeiten in den 1970 er- bis 2000 er-Jahren bei der «Schoggi Frey» angestellt. Zu Beginn der 1960 er-Jahre baute die Migros in Buchs/Aarau eine der modernsten Fabriken für Schokolade, Confiserie und Zuckerwaren, kaufte die 1887 in Aarau gegründete Chocolat Frey und produziert fortan unter dem Namen Chocolat Frey. Spinnerei Kunz Einige Frauen aus der Türkei, so auch die Mutter von Cahit Yurtsever, fanden Arbeit in der Spinnerei Kunz, die nach 150 -jährigem Bestehen im Jahre 2000 stillgelegt wurde. Gegründet 1928 vom «Spinnerkönig» Kunz, war die Textilfabrik nach dem 1. Weltkrieg bis zur Enteignung 1938 durch die Nationalsozialisten im Besitz der jüdischen Unternehmer Wolf & Söhne, Stuttgart, und ab 1941 bis 1996 Teil des Industriekomplexes Oerlikon-Bührle. ABB (BBC) In den 1960 er-Jahren warben Industrieunternehmen wie die ABB (früher BBC) technisches Fachpersonal in der Türkei an. Sie rekrutierten diese direkt in den entsprechenden Ausbildungsstätten und Schulen in Istanbul und anderen Städten. In dieser Zeit wurde auch dem Vater von Nesteren Recan Tural im Technikum in Istanbul von Schweizer Firmenvertretern eine Stelle bei der damaligen BBC angeboten. Kern Nihal Kıran arbeitete in der Aarauer Traditionsfirma Kern, die 1819 gegründet wurde. Die Kern-Vermessungsinstrumente begleiteten die Industrialisierung der Schweiz und der ganzen Welt. Der Global Player wurde 1988 an die Konkurrenz verkauft und 1991 geschlossen. Nihal Kıran wechselte in die «Chocolat Frey». ELCO (bis 2011 Schaller Frewi AG) Atyie Yavaş arbeitete in der Couvert-Fa brik Schaller Frewi AG, die 1891 gegründet wurde. Hier fand auch Gökşin Varan in den 2000 er-Jahren eine Anstellung, während er gleichzeitig versuchte, in der Schweizer Fotografie-Szene Fuss zu fassen. Seit 2011 heisst das erfolgreiche Unternehmen für Briefumschläge und Schreibwaren ELCO. Regelungen in Bezug auf Arbeits- und Niederlassungsbedingungen 1954: Die Migros gründet in Partnerschaft mit dem Istanbuler Stadtrat die Migros Türk. 1975 übernahm die Koç-Holding die Migros Türk. Seit 2011 hält die englische BC Partners die meisten Anteile am grössten Einzelhändler der Türkei. Die orangen M, MM und MMM erinnern an die schweizerisch-türkische Geschichte der Firma. 1954: Türkische Staatsangehörige dürfen nur in die Schweiz einreisen, wenn sie über einen zugesicherten Arbeitsplatz verfügen. 1959: Migros-Gründer und LDU-Nationalrat Gottlieb Duttweiler fordert in einem Postulat, dass die Schweiz auch aus entfernteren Ländern, wie der Türkei, Arbeiter:innen rekrutiert. 1960: Die türkische Regierung fördert die Emigration. Im Fünfjahresplan der türkischen Militärregierung heisst es, dass «überschüssige Arbeitskraft» zu exportieren sei. 1961: Der türkische Botschafter in Bern, Zeki Kuneralp, beginnt Verhandlungen mit der Eidgenössischen Fremdenpolizei und dem Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit BIGA über eine geregelte Immigration. Ein Anwerbeabkommen Schweiz – Türkei kommt aber nicht zustande. 1961: Gründung der «Beratungsstelle für türkische Arbeitskräfte» bei Migros Genossenschaft Bund MGB mit Sitz am Limmatplatz in Zürich durch Karl Ketterer, der von 1957 bis 1961 die Migros Türk in Istanbul leitete. Die Beratungsstelle initiierte 1969 die erste türkischsprachige Sendung des Schweizer Radios. Nachfolgeorganisation ist der Verein Türkgücu in Winterthur. 1970: Die Schweizer Männer stimmen über die Schwarzenbach-Initiative ab. Diese forderte, dass der Anteil an der Bevölkerung ohne Schweizer Pass maximal zehn Prozent betragen dürfe. Wäre sie angenommen worden, hätten 350'000 Arbeiter:innen die Schweiz verlassen müssen. Lanciert wurde sie von der 1961 gegründeten Nationalen Aktion. Kopf der Initiative war der Zürcher Nationalrat James Schwarzenbach. 1971: Das Abkommen zwischen der Schweiz und der Türkei über soziale Sicherheit wird ratifiziert.Arbeiter:innen mit einem türkischen Pass sind fortan bezüglich Sozialversicherungen den Schweizer Arbeitnehmer:innen gleichgestellt. 1980: Nach dem Militärputsch flüchten politisch Oppositionelle, Angehörige von Minderheiten wie Kurd:innen, Alevit:innen; Assyrer:innen und Armenier:innen nach Westeuropa beantragten Asyl – auch in der Schweiz. 1981: Das Bundesamts für Ausländerfragen BfA (heute: Staatssekretariat für Migration SEM) führt für türkische Staatsangehörige, denen die Einreise verweigert wurde, den R-Stempel für «retour, refusé, respinto» ein. 1981: Das erste Asylgesetz der Schweiz tritt in Kraft. Gemäss der Genfer Konvention (1949 ) sollen Personen, die aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Religion, Nationalität, sozialer Stellung oder politischer Anschauung verfolgt werden, Asyl erhalten. 1982: Der Bundesrat beschliesst die Wiedereinführung der Visums-Pflicht für türkische Staatsangehörige. Bundesrat Pierre Aubert wollte sich dem innenpolitischen Druck ausländerfeindlicher Kreise nicht beugen, unterlag aber in der Abstimmung im Bundesrat. 1984: Die politische und wirtschaftliche Situation in der Türkei führt zu einer Zunahme Asylsuchender in der Schweiz. Auf Druck fremdenfeindlicher Tendenzen wird das Asylgesetz revidiert. So weigert sich beispielsweise der Direktor der Aargauischen Fremdenpolizei, Asylgesuche von Personen aus der Türkei entgegenzunehmen. Die Verfahren wurden verkürzt, das Recht auf Arbeit eingeschränkt und die persönlichen Befragungen bei Gesuchen, die als unbegründet eingestuft wurden, abgeschafft. 1988-1990: Der Kanton Genf stellt den Antrag, die Türkei in die traditionellen Rekrutierungsgebiete für Arbeitnehmer:innen einzubeziehen. Die daraufhin gebildete Arbeitsgruppe aus Vertretern der Bundesverwaltung rät dem Bundesrat am 20. April 1990 , den Antrag abzulehnen und schreibt in ihrer Stellungnahme: «Der hohe Ausländeranteil ist nicht zuletzt noch tragbar, weil viele Ausländer aus Sprach- und Kulturräumen stammen, die uns weniger fremd sind. Je grösser die Kulturunterschiede sind, desto schwieriger verläuft die Integration.» Ab 1990: Die Mehrheit der Zuwanderer:innen aus der Türkei kommt im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz. 1992: Die mehrfache Staatsbürgerschaft wird eingeführt. Seither ist die Einbürgerung möglich, ohne die türkische Staatsbürgerschaft zu verlieren. 2002: Innerhalb der EU/EFTA-Staaten wird die Personenfreizügigkeit eingeführt und gleichzeitig die Einreise für Angehörige von Dritt-Staaten erschwert (2-Kreise-Modell). Die Türkei ist ein sogenannter Dritt-Staat. Anders als Staatsangehörige aus EU/EFTA-Länder, die sich grundsätzlich drei Monate in der Schweiz aufhalten können (mit Option auf Verlängerung auf sechs Monate), um eine Arbeitsstelle zu finden, dürfen Personen mit türkischer Staatsangehörigkeit nur im Rahmen des Familiennachzugs einreisen oder wenn sie einen Arbeitsvertrag und eine Arbeitsbewilligung haben. 2016: Nach dem Putschversuch in der Türkei verändert sich die politische Lage im Land. In den folgenden Jahren steigt die Zahl der Asylsuchenden in der Schweiz . Quellen: Ideli, M.; Suter Reich, V.; Kieser, H.-L. (2011). Neue Menschenlandschaften. Migration Türkei-Schweiz 1961 -2011. Zürich: Chronos Historischses Lexikon der Schweiz URL: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D3374.php , Zugriff 17.6.2015) Ideli, M. (2020). Neue Medien. Impetus von Integration, Transnationalität und Diaspora. Seismo: Zürich, Genf https://www.fluechtlingshilfe.ch/themen/laenderinformationen/herkunftslaender/tuerkei (Zugriff 23.09.2021) BIGA, 20.04.1990. Die Türkei als traditionelles Rekrutierungsgebiet? dodis.ch/56689 - dodis-56689.pdf «Zuerst kamen nur die Männer. Nach fünf Jahren durften auch die Frauen und Familien nachkommen.» Meryem Yavaş Kindheit Home «Ich hatte es gut bei meiner Tante und meinem Onkel.» Genç Osman Yavaş In den grossfamiliären Strukturen, in denen die meisten «Gastarbeiter:innen» aus der Türkei aufgewachsen sind, war es selbstverständlich, dass neben Eltern auch Grossmütter, Grossväter, Tanten und Onkel für die Kinder da waren. In der Schweiz fehlten sie und zahlbare Kinderbetreuung gab es nicht. Daher wurden in den 1970er- und 1980er-Jahren viele Kinder für ein Jahr oder auch mehrere zu Verwandten in die Türkei geschickt. Dazu kommt, dass Eltern allzu oft miterleben mussten, wie ihre Kinder zurückgestellt und diskriminiert wurden und sich für ihre Kinder in der Türkei bessere Bildungschancen ausrechneten. Über die schmerzhaften Trennungserfahrungen zu sprechen, ist in vielen Familien bis heute ein Tabu. «Es haben es damals alle so gemacht, es gab keine andere Lösung», sagen die Eltern. Die damaligen Kinder sind heute schon längst Erwachsene. Sie wollen sich mit dieser pragmatischen Erklärung nicht zufriedengeben und thematisieren diese einschneidenden und prägenden Erlebnisse in ihrer Kindheit. In den 1970er-Jahren lebten rund 10 000 Personen mit einem türkischen Pass in der Schweiz. Untersuchungen, wieviele Kinder Jahre von ihren Eltern getrennt aufgewachsen sind, fehlen. Nicht nur in den Familien wird darüber geschwiegen, sondern auch in der Schweizer Öffentlichkeit. Tausende von Kindern von Saisonniers, denen der Familiennachzug verweigert wurde, wuchsen in den 1960er- bis 1980er-Jahren in der Schweiz im Verborgenen auf. Das Hin- und Herschicken der Kinder, die Trennung von den Eltern und das immer wieder Herausgerissenwerden aus vertrauter Umgebung ist bis heute eine historische Leerstelle. Zwar sind dank Initiativen von Betroffenen die traumatischen Erfahrungen der versteckten Kinder heute ein Thema, aber die Kosten der Migration, welche die Migrant:innen und ihre Familien tragen, bleiben, wie Dorota Maiakowska-Osses* schreibt, im Verborgenen. Quellen: *Masiakowska-Osses, Dorota, Kofferkinder und «ihre» Geschichten, Studia Niemcoznawcze / Studien zur Deutschkunde, Bd. 61 (2018), S. 319-333. https://repozytorium.amu.edu.pl/handle/10593/24198 «Sie schickten ständig Fotos von mir. Fotos vom ersten Zahn, vom ersten Schritt, den ich allein machte …» Nesteren Tural Recan «Sie waren für mich meine Eltern.» Genç Osman Yavaş Getrennte Familie «Mein Vater war weiterhin in der Schweiz, und ich verbrachte meine ganze Schulzeit mit meiner Mutter und meinem kleinen Bruder in Istanbul. Die Familie lebte 17 Jahre lang getrennt.» Gökşin Varan Spielen «Ich habe schöne Erinnerungen an meine Kindheit. Wir sind ja in der Wohnsiedlung Reutenen aufgewachsen und waren immer, bis es dunkel wurde, draussen am Spielen.» Cahit Yurtsever «Wenn man mich als Kind fragte, was ich mir wünschte, dann wählte ich immer ein Musikinstrument, Mundharmonika, Gitarre, Tamburin …» Genç Osman Yavas Geburtstagsfestli «Zu meinem Geburtstagfestli kamen immer viele Kinder. Bei uns waren alle willkommen.» Filiz Kolcu Schule Home «Es fehlt etwas, wenn du nie vorkommst!» Lale Türkan Yavaş Der Entscheid, zu migrieren, ist verbunden mit dem Wunsch nach einem besseren Leben. Realisieren lässt sich dieses Projekt oft erst in den nachfolgenden Generationen. Der Schlüssel dazu ist Bildung. Daher sind die Erwartungen der eingewanderten Eltern an ihre Kinder hoch. «Ich sollte mindestens Anwalt oder Arzt werden», sagt der Fotograf Gökşin Varan im Gespräch. Als die Kindergärtnerin ihn in die Sonderschule einteilen wollte, beschlossen seine Eltern, ihn in der Türkei zur Schule zu schicken. Von Diskriminierungserfahrungen in den Schweizer Schulen berichten die meisten. Vor allem sei ihnen von den Lehrpersonen zu wenig zugetraut worden und sie hätten, um die gleiche Anerkennung wie ihre Schweizer Schulkolleg*innen zu erfahren, immer mehr leisten müssen. Auch wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Kinder aus ärmeren Familien und mit Eltern, die eingewandert sind, trotz gleichen Noten häufiger in Schultypen mit niedrigen Anforderungen eingeteilt werden als Schweizer Kinder. Von den drei Lehrpersonen, die wir interviewt haben, wird diese Benachteiligung nicht bestritten, aber relativiert. Das offenbart, dass die Haltung und Fähigkeit der Lehrperson zur Selbstreflexion darüber entscheiden, ob die Schule zu einem Möglichkeitsraum wird, der Kindern und Jugendlichen neue Welten eröffnet und sie ermächtigt, Chancen zu nutzen. Dennoch stellt sich Erfolg oft nur zum Preis kultureller Anpassung ein. Die Herkunftsgesellschaft und die eigene Familie werden auf Distanz gehalten und nicht selten abgewertet. «Ich wollte so sein wie alle anderen und sicher keine Türkin», sagt Nesteren Tural Recan im Gespräch. Das Gefühl der Nicht-Zugehörigkeit ist ein ständiger Begleiter: «Du kommst nicht vor, deine Geschichte existiert nicht und wenn sie dann ausnahmsweise Thema ist, wird dir gleich die Rolle der Expertin zugeschrieben, die beispielsweise den Islam erklären soll», beschreibt Lale Türkan Yavaş dieses «anders gemacht werden» in der Schule. «Es gab schon einige Eltern, die nicht wollten, dass ihre Kinder ins Schullager mitgehen. Ich erinnere mich noch gut an die Diskussionen, als unsere Nachbarn meine Eltern überreden wollten, mich ja nicht ins Schullager zu schicken.» Nesteren Tural Recan «Weisst Du, hier auf der Schule geht das so. Ich schreib Dir mal kurz, was überhaupt so läuft den ganzen Tag. Um 6:30 Uhr wecken sie uns, …» Brief von Ayse Yavas an Marlies Werder «Mit meinem Realschulabschluss hätte ich in der Schweiz keine Chance mehr gehabt, zu studieren. Deshalb beschloss ich in den Sommerferien, in Istanbul zu bleiben und in das Anadolu Lise zu gehen.» Genç Osman Yavaş «An den ersten Kindergartentag erinnere ich mich noch sehr gut. Ich war aufgeregt und gespannt. Wir hatten einen wunderbaren Kindergärtner in den Wyden.» Nesteren Tural Recan «In der Bezirksschule waren wir insgesamt rund 120 Schüler:innen. Wir waren zu zweit Ein Mädchen und ich, deren Eltern aus der Türkei stammten.» Ercan Recan «Es ist mir immer wieder aufgefallen, wie interessiert die Eltern am Schulerfolg ihrer Kinder waren, insbesondere diejenigen aus der Türkei.» Philipp Burger Freizeit Home «Heimweh heilen …» Göksin Varan «Ich glaube für meine Mutter war das ein grosser Schock. Sie kam aus der Metropole Istanbul und war es entsprechend gewohnt mit ihren Freundinnen auszugehen: ins Kino, in Tanzlokale … und plötzlich war sie in diesem Dorf, wo es nichts von all dem gab und sonntags Grabesstille herrschte», erzählt Nesteren Tural Recan. Sie erinnert sich, dass es bei ihnen zu Hause fast immer Besuch gab, gesungen und getanzt wurde und dass es ihrer Mutter manchmal fast zu viel wurde, ständig zu kochen und Gäste zu bewirten. Ab Ende der 1970er -Jahre prägte der VHS-Videorekorder die Freizeitkultur entscheidend mit. «Wir wurden von den Eltern jeweils am Samstag in den türkischen Lebensmittelladen in Brugg geschickt, mit dem Auftrag, Filme auf VHS-Kassetten auszuleihen. Der Inhalt war egal, Hauptsache mit Manzara», erinnert sich Ayşe Yavaş und erklärt: «Mit Manzara war nicht nur im wörtlichen Sinne die Aussicht gemeint, wie die Bilder von Istanbul, dem Topkapı Palast, der Sülemanyie Moschee, der Hagia Sophia, dem Bosporus und Galataturm, sondern es ging um ein Schwelgen in Heimatsehnsucht.» «Bei uns gab es immer Besuch oder wir waren auf Besuch.» Nesteren Tural Recan «Ich erinnere mich, wie meine Eltern abends ein paar Decken nahmen, einen Korb mit Essen füllten und wir uns draussen auf der Wiese mit anderen Familien trafen. Es wurde gegessen, getrunken und gesungen. Und ja, natürlich waren da auch die Schrebergärten …» Özgür Yıldız «Für uns war damals die Badi ein wichtiger Treffpunkt!» Margrit Zimmermann «Immer, wenn wir in der Schweiz waren, wollte mein Vater viel Zeit mit uns verbringen. Deshalb haben wir viele Ausflüge gemacht: zum Rheinfall, auf die Habsburg, ins Tessin …» «Für uns Kinder war der Freitagnachmittag im Migros-Restaurant das Highlight der Woche.» Cahit Yurtsever Reisen Home «Als Kind liebte ich die Fahrt von Melligen nach Istanbul. Wir hatten immer heisses Wasser dabei – für Tee und Suppen. Am liebsten mochte ich Tomatensuppe. Noch heute verbinde ich den Geschmack von Tomatensuppe mit Feriengefühl.» Tüba Saxer In den fünf Wochen Sommerferien pro Jahr besuchten die Familien ihre Verwandten in der Türkei. Sie reisten mit dem Zug, dem «Balkanexpress», drei Tage im Familienabteil, nahmen den Bus oder machten sich mit einem voll bepackten Auto auf den Weg Richtung Türkei. Anfang der 1970er -Jahre tauchte ein neuer geografischer Begriff auf: die «Gastarbeiterroute». Damit wurden jene Autobahnen und Landstrassen bezeichnet, auf denen die Menschen jahrein, jahraus, meist zu Beginn der Sommermonate, zwischen ihrem Herkunfts- und dem Aufnahmeland hin und her reisten. Von Brugg führte die rund 3000 Kilometer lange Autoreise nach München, Salzburg, Graz, nach Spielfeld, dem Grenzübergang ins damalige Jugoslawien. Von den Städten Zagreb, Belgrad und Niş ging es dann über Bulgarien in die Türkei. Die Strassen waren vielerorts schlecht ausgebaut und die Autos entsprachen nicht den heutigen Sicherheitsvorschriften. Dazu kam, dass grosse Teile der Route hinter dem Eisernen Vorhang lagen und dass auf gewissen Strecken, wie derjenigen durch Bulgarien, nur der Transit erlaubt war. Das und begrenzte finanzielle Mittel führten dazu, dass Non-Stop gefahren werden musste. In den 1970er - und 1980er -Jahren galt die «Gastarbeiterroute» deshalb auch als eine der gefährlichsten Strassen. Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang gab es unzählige. Trotz Strapazen und Gefahren, die Reise gehörte ganz einfach dazu und war Teil des Lebens: Sie war zu einem transnationalen Raum, einem lebensnotwendigen Verbindungsglied in die Heimat hier und dort geworden. Mit den Reisenden zirkulierten auch Informationen, Geld, Souvenirs und Geschenke aller Art. Auch Peri La Roche, die Tochter von Ayse Yavas, verbindet mit der Route lebhafte Kindheitserinnerungen. Als sie sich in den Ferien bei den Grosseltern in Doğancılı darüber wunderte, dass ihre Tante und ihr Onkel aus Zürich plötzlich auch da waren, erzählte ihr der Onkel, dass sie durch einen Geheimgang gekommen seien, der von der Hundehütte im Garten der Grosseltern in Istanbul direkt nach Zürich führe. Als 5- Jährige fand sie diese wundersame Erklärung anfangs durchaus nachvollziehbar. Erst später zweifelte sie am Wahrheitsgehalt der Geschichte, schaute deshalb in der Hundehütte nach und fand keinen Geheimgang, der direkt nach Zürich führte. So unterschiedlich die Erinnerungen von Ayse Yavas, Tüba Saxer, Margrit Zimmermann und Filiz Kolcu an diese Reisen sind, eines haben sie gemeinsam: Die Erlebnisse waren prägend. Mit der Zeit haben sich die Bedürfnisse und vor allem auch die finanziellen Möglichkeiten der Menschen verändert. Deshalb bedeuten Ferien inzwischen für viele mehr als nur Verwandte besuchen. Reisen mit befreundeten italienischen Familien nach Rimini oder Cesenatico sind heute genauso selbstverständlich wie erholsamer Urlaub in anderen Regionen der Türkei oder in anderen Ländern und Städten der Welt. Liebe-Heirat-Familie Home «Sie waren attraktiver, gepflegter und eleganter als unsere Schweizer Männer!» Margrit Zimmermann Im Sommer 1963, am ersten Abend in Brugg, ist Hüseyin Yavaş nicht bei seinen zehn Mitreisenden im Wohnheim der Georg Fischer AG geblieben. «Ich bin spazieren gegangen und habe vor der Kirche eine Schweizerin kennengelernt.» Mit ihr, so sagte er, in unserem Gespräch im Mai 2017 in Anadolu Hisarı, habe das Leben begonnen. Die Ankunft der jungen Männer aus der Türkei blieb in der Schweizer Kleinstadt nicht unbemerkt. Die «Badi», so erinnert sich Margrit Zimmermann, war der Treffpunkt der Jungen und der Ort, wo sie sich gegenseitig anschauten und erste Blicke austauschten. Liebschaften entstanden. Eine Schweizerin geheiratet hat dann aber nur Hamdi Ulukurt, einer der zehn Männer, die gemeinsam mit Hüseyin Yavaş aus Istanbul nach Brugg kamen. Was in den 1960 er-Jahren noch eine Ausnahme war, ist 2021 üblich: Laut Bundesamt für Statistik sind in der Schweiz zurzeit ein Drittel der neu geschlossenen Ehen binational und zählt man die Ehen dazu, die zwischen den Einwohner:innen ohne Schweizer Pass geschlossen werden, machen sie rund die Hälfte aus. «Wir lebten 17 Jahre lang getrennt. Ich blieb in der Schweiz und meine Frau lebte mit unseren Söhnen in Istanbul!» Muharrem Murat Varan «Ich werde nie einen Türken heiraten!» Nesteren Tural Recan «Ich war 17 Jahre alt, als ich in Sirkeci, Istanbul, in den Zug stieg und zu meinem Ehemann in die Schweiz fuhr. Unsere Ehe war in der Schweiz nicht gültig. Ich hatte Angst, ausgewiesen zu werden. Wir heirateten in Brugg ein zweites Mal.» Meryem Yavaş «Wir haben geheiratet und dann sind wir eine Woche später in die Schweiz gereist!» Nihal Kıran «Hamdis Familie aus Istanbul konnte nicht an die Hochzeit kommen. Sein Freund Memduh war da, quasi als Familienersatz.» Margrit Zimmermann «Wir hatten eine gute Zeit in Unterbözberg!» Atiye Yavaş Eigene Wege gehen Home «Ich sagte meinem Freund Sabit, er soll mich mit dem Ruderboot über den Fluss bringen, denn ich wollte bei meiner Abreise niemandem mehr begegnen. Sie hätten mich nicht gelassen!» Hüseyin Yavaş Der letztendliche Entscheid wegzugehen, die Familie, Freund:innen, das gewohnte Leben in einer vertrauten Umgebung zu verlassen, bedeutet für die Aufbrechenden Befreiung und Schmerz zugleich. So schreibt der Philosoph Vilém Flusser: «Die Heimat ist zwar kein ewiger Wert, sondern eine Funktion einer spezifischen Technik, aber wer sie verliert, der leidet. Er ist nämlich mit vielen Fasern an seine Heimat gebunden, und die meisten dieser Fasern sind geheim, jenseits seines wachen Bewusstseins. Wenn die Fasern zerreissen oder zerrissen werden, dann erlebt er dies als einen schmerzhaften chirurgischen Eingriff in sein Intimstes.» Als Heimatsuchende erzählen auch unsere Gesprächspartner:innen von ihren Erfahrungen, die von Schmerz und Befreiung gleichermassen geprägt sind. Davon, wie sie mit ihrem Schicksal umgegangen sind und Entscheidungen gefällt haben. Auch wenn sich ihre Migrationsbiografien ähneln, unterscheiden sich nicht nur ihre individuellen Geschichten, sondern auch ihr Handeln. So beschliesst beispielsweise die Familie Yeşiltepe, den Schweizer Pass zu beantragen. Auslöser für diesen Entscheid ist ihre Tochter. Sie will sich einbürgern lassen, damit sie endlich wie ihre Klassenkamerad:innen ohne grosse Hindernisse, Ausflüge ins benachbarte Deutschland, Frankreich oder Italien machen kann. In anderen Familien ist das Thema «Wir kehren zurück in die Türkei» stetiger Begleiter. Gespart wird für Land, Häuser, Wohnungen in der Türkei. Doch so schwarz-weiss ist es nicht. Denn dazwischen haben immer wieder auch persönliche Wünsche nach einem angenehmeren und unabhängigeren Leben Platz: «Ich sagte Hüseyin, alle haben die Fahrprüfung gemacht, ich will auch Autofahren lernen. Meine Arme sind schon viel zu lang von den schweren Einkaufstaschen.» Meryem Yavaş lernt vor ihrem Ehemann das Autofahren. Ein besseres Leben für die Kinder ist der Wunsch der ersten Elterngeneration, doch unterschiedliche Verständnisse vom guten Leben führen zu Konflikten und Brüchen. Zum Beispiel dann, wenn der Vater zu seiner Tochter sagt, die von zu Hause ausziehen will: «Wenn du gehst, dann gehst du allein!» Quelle: Flusser, Vilém, Von der Freiheit des Migranten. Einsprüche gegen den Nationalsozialismus. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2013 , 17 «Wenn du gehst, gehst du allein.» Hüseyin Yavaş «Ich habe immer gearbeitet. Als Kind musste ich meinem Vater im Laden aushelfen und in der Schweiz war ich als Fabrikangestellte tätig. Zurück in der Türkei gab es auch viel zu tun, aber die Arbeit war anders, weniger langweilig, weil jeder Tag sich vom vorherigen unterschied. Wir haben ein Restaurant und ein Hotel eröffnet. Immer waren wir dran, ich habe Briefe und Anträge an die Istanbuler Verwaltung geschrieben. Wir hatten viele Ideen und wir haben sie realisiert.» Meryem Yavaş «Wir waren in den Ferien und wohnten bei den Grosseltern. Eines Morgens beschloss mein Vater, sein eigenes Haus zu bauen. Als wir aufstanden, sahen wir ihn bereits die Baugrube ausnehmen.» Ayse Yavas «Mein Vater hatte einen himmelblauen Käfer. Er war einer der ersten, der sich ein Auto leistete.» Tüba Saxer
- Dossier für Schulen | Und dann fing das L…
Biografisch-fotografische Recherche von Ayse Yavas und Gaby Fierz über Migration, Familiengeschichten und das Leben zwischen der Schweiz und der Türkei. Dossier für Schulen Home Up Up Auftrag 1 Auftrag 2 Auftrag 3 Auftrag 4 Auftrag 5 Auftrag 6 Auftrag 7 Handreichung für Lehrpersonen 5./.6 Klasse Primar; SEK I – 2 Lektionen à 45 Für Lehrpersonen.pdf Hintergrund In den 1960er Jahren suchten grosse Firmen in der Schweiz günstige Arbeiter*innen. Viele Menschen, auch aus der Türkei, folgten dem Ruf und verliessen ihre vertraute Lebenswelt. Die Fotografin Ayse Yavas hat gemeinsam mit der Ethnologin Gaby Fierz die Migrationsgeschichte(n) recherchiert. Ayse Yavas’s Vater kam in den 1960er-Jahren als einer der ersten Arbeiter aus der Türkei in die Schweiz. Er vermittelte 70 weiteren Männern aus seiner Heimat Stellen in Aargauer Industriebetrieben: Was haben diese Familien erlebt, gefühlt und gehofft? Wie leben und denken ihre Kinder und Enkel*innen heute? Auf einer langen Suche entlang der Leerstellen im eigenen Familienalbum interviewte Ayse Yavas gemeinsam mit der Ethnologin Gaby Fierz Verwandte und Bekannte aus drei Generationen. Diese fotografisch-biografische Recherche nach verlorenen Gesichtern und Geschichten führte die beiden von Windisch, Brugg, Baden, Zürich über Anadolu Hisarı, in Istanbul am Bosporus bis nach Doğancılı am Schwarzen Meer- und dauert bis heute an. Unterwegs entstand eine einzigartige Sammlung von Fotografien aus Familienalben, Porträts der Interviewpartner*innen und Fotografien der Lebensräume, die nun vertieft mit Ausschnitten aus den Oral-History Interviews auf dieser Website gezeigt wird. 1970er-Jahre. Rast auf der Fahrt in die Türkei. Privatfotografie: Familie Yeşiltepe. Arbeiten mit der Website Die Sammlung von Fotografien aus Familienalben und die Ausschnitte aus den Oral-History Interviews sind in sieben Themenbereiche – vgl. verschiedenfarbige Balken – eingeteilt. Diese können nach einer kurzen Einleitung der Lehrpersonen von den Schüler*innen in Gruppen eigenständig erkundet werden. Es handelt sich dabei um folgende sieben Themenbereiche: Arbeit, Ankunft; Kindheit; Schule; Freizeit; Reisen; Liebe, Heirat und Familie; Eigene Wege gehen. Wir haben für jeden Themenbereich Aufträge erstellt, die Sie als Lehrperson den sieben Gruppen zur Bearbeitung zuteilen können, d.h. pro Gruppe braucht es mindestens ein Tablet oder einen PC. Lernziele: die Schüler*innen erhalten einen Einblick in die Migrationsgeschichte der Schweiz die Eigenaktivität der Schüler*innen wird gefördert, da sie in einer anregenden Lernumgebung selbst recherchieren. Die Fähigkeit des vernetzten Denkens wird angeregt. Die Schüler*innen verknüpfen ihr eigenes Wissen und ihre eigenen Erfahrungen mit dem Gesehenen und dem Gehörten. Die Auftrittskompetenz wird gefördert, da die Schüler*innen ihren Klassenkolleg*innen ihr neu erworbenes Wissen vermitteln. Ablauf 2 Lektionen à 45’ Lektion 1 Einführung 15’ Die Schüler*innen erhalten eine Einführung ins Thema durch die Lehrperson. Die Lehrperson bildet sieben Gruppen. Jeder Gruppe wird ein Themenbereich (Auftrag 1-7) zur Bearbeitung zugeteilt. Recherche 30’ Die Gruppen arbeiten selbständig gemäss Auftrag. Lektion 2 Präsentation und Diskussion Die Lehrperson zeigt die Website via Beamer für alle gut sichtbar, so dass die Gruppen die Ergebnisse ihrer Recherchen ihren Klassenkolleg*innen präsentieren können. 3’-5’ (24’-40’) Präsentationen der sieben Gruppen 5’ – 20’ Die Lehrperson moderiert die Diskussionsrunde und ergänzt. Arbeitsblatt für Schüler*Innen – Aufträge Geht zum Themenbereich Arbeit, Ankunft. Schaut euch die Fotografien an. Wählt drei Fotografien aus, die euch besonders gefallen und beeindrucken? Wo arbeiteten diese Personen, die in den 1970er-und 1980er-Jahren in die Schweiz kamen? Wo und wie wohnten sie? Was erlebten sie! Macht Notizen und bereitet eine Präsentation für eure Klassenkolleg*innen vor! Begründet eure Auswahl schriftlich! Lest die Texte Lest die Texte Geht zu den Audios! Home Auftrag 1: Arbeit, Ankunft Geht zum Themenbereich Kindheit. Schaut euch die Fotografien an. Wählt drei Fotografien aus, die euch besonders gefallen und beeindrucken? Was verbindet ihr für Geschichten und Gefühle mit euren Kindheitsbildern? Unter welchen Bedingungen lebten die Kinder der sogenannten Gastarbeiterfamilien in der Schweiz? Was erzählen die interviewten Personen über ihre Kindheit? Macht Notizen und bereitet eine Präsentation für eure Klassenkolleg*innen vor! Begründet eure Auswahl schriftlich! Lest die Texte! Geht zu den Audios! Erzählt sie euch gegenseitig! Home Auftrag 2: Kindheit Geht zum Themenbereich Schule. Schaut euch die Fotografien an. Wählt drei Fotografien aus, die euch besonders gefallen und beeindrucken? Was erzählen die interviewten Personen von ihrer Schulzeit? Kennt Ihr ähnliche Geschichten? Macht Notizen und bereitet eine Präsentation für eure Klassenkolleg*innen vor! Begründet eure Auswahl schriftlich! Geht zu den Audios! Lest die Texte! Erzählt sie euch gegenseitig! Home Auftrag 3: Schule Geht zum Themenbereich Freizeit. Schaut euch die Fotografien an. Wählt drei Fotografien aus, die euch besonders gefallen und beeindrucken? Was erzählen die interviewten Personen über ihre Freizeit? Was mach(t)en sie in ihrer Freizeit? Was macht ihr in der Freizeit? Welche Feste feiert ihr in eurer Familie? Macht Notizen und bereitet eine Präsentation für eure Klassenkolleg*innen vor! Begründet eure Auswahl schriftlich! Geht zu den Audios! Lest die Texte! Home Auftrag 4: Freizeit Erzählt sie euch gegenseitig! Geht zum Themenbereich Reisen. Schaut euch die Bilder an! Welche Bilder sind euch vertraut? Welche Bilder kennt ihr gar nicht? Welche Geschichten und Erlebnisse kommen euch vertraut vor? Wie verbringt ihr eure Ferien? Macht ihr Familienbesuche? Reist ihr als Kleinfamilie? Macht Notizen und bereitet eine Präsentation für eure Klassenkolleg*innen vor! Begründet eure Auswahl schriftlich! Geht zu den Audios! Lest die Texte Home Auftrag 5: Reisen, Ferien Erzählt sie euch gegenseitig! Geht zum Themenbereich Liebe, Heirat, Familie. Schaut euch die Fotografien an. Wählt drei Fotografien aus, die euch besonders gefallen und beeindrucken? Was erzählen die interviewten Personen über Liebe, Heirat und Familie? Kennt ihr ähnliche Geschichten? Was habt ihr für Vorstellungen von Liebe, Heirat und Familie? Macht Notizen und bereitet eine Präsentation für eure Klassenkolleg*innen vor! Begründet eure Auswahl schriftlich! Geht zu den Audios! Lest die Texte Erzählt sie euch gegenseitig! Home Auftrag 6: Liebe, Heirat, Familie Geht zum Themenbereich Eigene Wege gehen. Schaut euch die Fotografien an. Wählt drei Fotografien aus, die euch besonders gefallen und beeindrucken? Was erzählen die interviewten Personen? Welche Wünsche und Träume möchtet ihr in eurem Leben verwirklichen? Macht Notizen und bereitet eine Präsentation für eure Klassenkolleg*innen vor! Begründet eure Auswahl schriftlich! Geht zu den Audios! Lest die Texte Erzählt sie euch gegenseitig! Home Auftrag 7: Eigene Wege gehen
- Arbeit-Ankunft | Und dann fing das L…
Biografisch-fotografische Recherche von Ayse Yavas und Gaby Fierz über Migration, Familiengeschichten und das Leben zwischen der Schweiz und der Türkei. Multimedia Birr, AG. «In den Wyden». 2021. «Meinem Vater und meiner Mutter habe ich einmal Bally-Schuhe mitgebracht. Das waren teure und wertvolle Geschenke», sagt Ümmügül Varan im Gespräch. Foto: ©AyseYavas Brugg, AG. Ende 1960er-Jahre. Ibrahim Kıran (2. Reihe sitzend 1.v.r.) in der Graugiesserei Georg Fischer AG. Privatfotografie: Filiz Kolcu. Brugg, AG. Mitte 1960er-Jahre. Stehend 3. v. l. Mustafa Yunus; 5. v.l. Aziz Ince; 6. v.l. Aslan Yavaş; 7. v. l. Ömer Şen. Sitzend: v.l.n.r. Ibrahim Kıran; Selahattin Aksoy; Reşat Çakır; Ali Aslan Yavaş; Hakkı Özeren. Birr, AG. «In den Wyden». 2021. «Meinem Vater und meiner Mutter habe ich einmal Bally-Schuhe mitgebracht. Das waren teure und wertvolle Geschenke», sagt Ümmügül Varan im Gespräch. Foto: ©AyseYavas 1/20 Foto: Ibrahim Kıran (l.) und Nihal Kıran (r.) Sprecher: Ibrahim Kıran Arbeit-Ankunft 1/4 Up Home Archiv Up Arbeitsuchende aus der Türkei durften nur dann in die Schweiz einreisen, wenn sie bereits eine Arbeitsstelle oder eine Aufenthaltsbewilligung vorweisen konnten… Mehr >>> Istanbul. Ca. 1960. Der Vater von Hüseyin Yavaş auf seinem Schiff. Privatfotografie: Familie Yavaş. Zug, ZG. Ende 1960er-Jahre. Cevdet und Oya Recan auf einem Ausflug an den Zugersee. Privatfotografie: Familie Recan. Anadolu Hisarı, Istanbul. Ca.1943. Hüseyin Yavaş (rechts) mit seinen Geschwistern. Privatfotografie: Familie Yavaş. Istanbul. Ca. 1960. Der Vater von Hüseyin Yavaş auf seinem Schiff. Privatfotografie: Familie Yavaş. 1/20 Foto : Hüseyin Yavaş Sprecher: Hüseyin Yavaş Arbeit-Ankunft 2/4 Home Archiv Windisch, AG. 1969. Meryem und Hüseyin Yavaş mit Frau Gärtner und dem Hund Jimmy. Privatfotografie: Familie Yavaş. Dogancılı, Schwarzes Meer. 1962. Die zehnjährige Meryem Kıran (verheiratet Yavaş) mit ihrer Schwester. Privatfotografie: Familie Yavaş. Brugg, AG. Mitte 1960er-Jahre. V.l.n.r. Ömer Şen, Mustafa Yurtsever. Privatfotografie: Familie Yurtsever. Windisch, AG. 1969. Meryem und Hüseyin Yavaş mit Frau Gärtner und dem Hund Jimmy. Privatfotografie: Familie Yavaş. 1/22 Foto : Meryem Yavaş Sprecherin: Meryem Yavaş Arbeit-Ankunft 3/4 Home Archiv Brugg, AG. Ende 1960er-Jahre. Der Bruder von Nihal Kıran (links), Nihal und Ibrahim Kıran in der Georg Fischer-Arbeiterunterkunft: Privatfotografie: Filiz Kolcu. Brugg, AG. 09.06.1967. Vor der Graugiesserei Georg Fischer AG: Reşat Cakır (links) und Ibrahim Kıran (Mitte). Privatfotografie: Filiz Kolcu. Unterbözberg, AG. Ende 1960er-Jahre. Atiye Yavaş posiert vor ihrem Auto. Privatfotografie: Atiye und Ahmet Yavaş. Brugg, AG. Ende 1960er-Jahre. Der Bruder von Nihal Kıran (links), Nihal und Ibrahim Kıran in der Georg Fischer-Arbeiterunterkunft: Privatfotografie: Filiz Kolcu. 1/20 Foto: Nihal Kıran Sprecherinnen: Nihal Kıran u. Atiye Yavaş Arbeit-Ankunft 4/4 Up Home Archiv Wir freuen uns über Anregungen und Kommentare, senden Sie uns eine E-Mail Impressum
- Kindheit | Und dann fing das L…
Biografisch-fotografische Recherche von Ayse Yavas und Gaby Fierz über Migration, Familiengeschichten und das Leben zwischen der Schweiz und der Türkei. Multimedia Kindheit 1/4 Birr, AG. 1982. Gökşin Varan beim Geschirr waschen. Privatfotografie: Familie Varan. Birr, AG. 1979. Die Eltern von Ümmügül Varan zu Besuch. Hier Ümmügül Varan mit ihrem Sohn Gökşin auf dem Schoss und ihre Mutter. Privatfotografie: Familie Varan. Birr, AG. 1982. Gökşin Varan in der Wohnsiedlung «In den Wyden». Privatfotografie: Familie Varan. Birr, AG. 1982. Gökşin Varan beim Geschirr waschen. Privatfotografie: Familie Varan. 1/7 Foto: Gökşin Varan Sprecher:innen: Gökşin Varan, Muharrem Varan, Ümmugül Varan Home Archiv Up Up In den grossfamiliären Strukturen, in denen die meisten «Gastarbeiter:innen» aus der Türkei aufgewachsen sind, war es selbstverständlich… Mehr >>> Kindheit 2/4 Windisch, AG. 1980er-Jahre. Wohnsiedlung «Reutenen». Cahit Yurtsever mit seinen Freunden. Privatfotografie: Familie Yurtsever. Windisch AG, Mitte 1970er-Jahre. Die beiden Brüder Cevat und Cahit Yurtsever in der Wohnsiedlung «Reutenen». Privatfotografie: Familie Yurtsever. Istanbul. Mitte 1970er-Jahre. Hadiye Yurtsever mit ihrem Sohn Cevat im Fotostudio während des Beschneidungsfests. Privatfotografie: Familie Yurtsever. Windisch, AG. 1980er-Jahre. Wohnsiedlung «Reutenen». Cahit Yurtsever mit seinen Freunden. Privatfotografie: Familie Yurtsever. 1/8 Foto: Cahit Yurtsever Sprecher: Cahit Yurtsever Home Archiv Kindheit 3/4 Windisch AG. 1974. Genç Osman Yavaş auf dem Spielplatz der Kestenbergsiedlung. Privatfotografie: Familie Yavaş. Istanbul. 1975. Genç Osman Yavaş bei Tante und Onkel väterlicherseits. Privatfotografie: Familie Yavaş. Istanbul. 1971. Ayse Yavas, als sie zum ersten Mal zu ihrer Tante Sude verschickt wurde. Privatfotografie: Familie Yavaş Windisch AG. 1974. Genç Osman Yavaş auf dem Spielplatz der Kestenbergsiedlung. Privatfotografie: Familie Yavaş. 1/18 Foto: Gençosman Yavaş Sprecher:in: Meryem Yavaş u. Gençosman Yavaş Home Archiv Birr, AG. 1978. Nesteren Recan (verheiratet Tural) mit ihren Freundinnen im Schnee in der Wohnsiedlung «In den Wyden». Privatfotografie: Nesteren Tural. Birr, AG. 2021. Die Brown-Boveri Wohnsiedlung «In den Wyden» (1967) für rund 500 Familien. Kinder mögen die grosszügige und zugleich geschützte Umgebung. Fotografie: ©AyseYavas Bakırköy, Istanbul. 1973: Die Grosseltern liessen Nesteren Tural als Kleinkind im Fotostudio fotografieren und schickten die Fotos den Eltern in der Schweiz. Privatfotografie: Nesteren Tural. Birr, AG. 1978. Nesteren Recan (verheiratet Tural) mit ihren Freundinnen im Schnee in der Wohnsiedlung «In den Wyden». Privatfotografie: Nesteren Tural. 1/15 Foto : Ercan Recan Sprecher:in: Nesteren Tural u. Ercan Recan Kindheit 4/4 Home Archiv Wir freuen uns über Anregungen und Kommentare, senden Sie uns eine E-Mail Impressum
- Und dann fing das Leben an – Ayse Yavas
Biografisch-fotografische Recherche von Ayse Yavas und Gaby Fierz über Migration, Familiengeschichten und das Leben zwischen der Schweiz und der Türkei. Eigentlich wollte ich nach Kanada auswandern. Eher zufällig wurde… Mehr >>> Porträts Arbeit-Ankommen Kindheit Schule Freizeit Reisen Liebe-Heirat-Familie Eigene Wege gehen Dossier für Schulen Medien-Echo-Theater Ausstellung Kontakt Und dann fing das Leben an – von Ayse Yavas und Gaby Fierz Porträts Up Button Arbeit-Ankommen Up Button Kindheit Up Button Und dann fing das Leben an – von Ayse Yavas und Gaby Fierz Schule Up Button Freizeit Up Button Reisen Up Button Liebe-Heirat-Familie Up Button Eigene Wege gehen Up Button
- Essay | Ausstellung A
Essay Home Auf der Suche nach den verlorenen Bildern Ayse Yavas Ausgangspunkt für meine intensive Auseinandersetzung mit der Albumfotografie, die schliesslich auch zu diesem Pro- jekt und dieser Ausstellung geführt hat, war ein prägendes Erlebnis in meiner Jugend. Als junges Mädchen konnte ich mir nicht vorstellen, einen der vorgezeichneten Wege zu geh- en, die meine Eltern für mich vorgesehen hatten. So kam es zwischen uns immer mehr zu Meinungsverschiedenheiten und am Ende zu einer frühen, lang andauernden Trennung. Beim Verlassen meines Elternhauses ereignete sich folgende Geschichte: Meine Eltern bewahrten unsere Fotoalben in ihrem Schlaf- zimmer auf. Ich hatte mich heimlich in das mit Fensterläden oft verdunkelte Zimmer geschlichen und wollte mir zur Erinne- rung an meine Familie ein paar Fotografien aus den Alben heraustrennen. Dabei wurde ich von meinem Vater erwischt. Er nahm mir die Bilder aus der Hand und mit unserer gros- sen Haushaltsschere schnitt er mich aus jedem Foto weg, warf mir meine abgetrennten Köpfe zu und sagte: «Wenn du jetzt gehst, gehst du allein!» Dieses Erlebnis hat in mir das Interesse für die Album- fotografie und insbesondere für die Fotografie selbst geweckt. Als Folge dieser Trennung war ich für einen langen Zeit- raum von den Bildern und Geschichten meiner Familie ab- geschnitten. Das für mich wichtige gemeinsame Betrachten der Fotos und die Gespräche darüber brachen ab. Und so begann ich in meiner Not schon bald ein eigenes Album zu gestalten. Es fing eine lange fotografische Suche nach all den ver- loren gegangenen Angehörigen und deren Gesichter und Geschichten an, die bis heute anhält. Immer wieder beauftragte ich meinen Bruder, mir heim- lich möglichst viele Fotos aus den Alben meiner Eltern zu bringen, um wenigstens einen kleinen Teil meiner Familie zu- rückzugewinnen. Einige Fotos konnte ich reproduzieren, und mein Bruder klebte die Originale dann unbemerkt wieder an ihre alte Stelle. Andere behielt ich, und so bildeten sich in unseren Familienalben über die Jahre seltsame Leerstellen - Spuren, unserer schwierigen Geschichte. Ohne Absicht, hatte ich mit der Entnahme der Bilder meine eigene Familiengeschichte erzählt. Rückblickend erscheint mir mein Bestreben als ein Versuch, mir mit dem Album einen Ersatz für meine Familie zu schaffen. Das Suchen und Zusammenfügen der Fotos meiner Familienangehörigen war mir eine Hilfe, Erlebtes zu begreifen und zu reflektieren. Da meine Beschäftigung jedoch ausschliesslich auf fotografischem Material beruhte und mir die mündlichen Überlieferungen und Erzählungen dazu fehl- ten, stiess ich zusehends an Grenzen. Ich konnte mich nur traumartig und assoziativ durch diese Bilder bewegen. So begann ich nach Erklärungen für das Verhalten meiner Eltern zu suchen, wollte mehr über ihre Pläne und Wünsche erfahren, um ihr Handeln und die damalige Zeit besser zu ver- stehen. Wer waren sie ausserhalb des Elternseins? In dieser Situation lernte ich Gaby Fierz, die Kuratorin und Ethnologin kennen, die gerade an ihrem Projekt YOLDA KIOSK arbeitete und dafür Gesprächspartner:innen suchte, die sowohl in der Schweiz wie in der Türkei leben und arbeiten oder gelebt und gearbeitet haben. Ich erzählte ihr von meinem Wunsch mehr über meine Familie und ihre Geschichte zu erfahren und gewann ihr Interesse. Ich war begeistert jemandem zu begegnen, der sich für mein Herkunftsland interessierte und sich schon verschiedentlich in anderen Projekten damit befasst hatte. Zusammen entwickelten wir die Idee, anhand von Interviews und Fotografien den Geschichten mei- ner Eltern und ihren Bekannten, die durch meinen Vater in den 60er Jahren aus Istanbul und einem Dorf am Schwarzen Meer als «Gastarbeiter» in die Schweiz gekommen waren, nachzugehen. Durch das gemeinsame Herangehen erreichte mein Blick auf meine Familie und ihre Bilder eine neue Dimension und gewann an Tiefe und Schärfe. Mir wurde klar, wieviel ein Album oder eine einzelne Fotografie erzählen können. Die Alben wurden für mich zu Orten des Erinnerns, aber auch des Nicht- Erinnerns. Das Gezeigte verwies immer auch auf das Nicht- Gezeigte. Immer war da in den Fotografien das Zusammenspiel zwischen dem Sichtbaren und dem Verborgenen - ein Wesenszug, der auch in meiner Portraitfotografie eine wichtige Rolle spielt. Und so konnte es sein, dass ich bei langer Betrachtung der Bilder, nicht mehr wusste, ob das Abgebildete «wirklich» so war oder nicht ganz anders. Ich begann die mir zur Verfügung stehenden Fotografien akribisch genau zu studieren, die Blicke der Menschen, ihre Körperhaltung und ihre Kleider. Kleinste Details konnten zu neuen Erkenntnissen führen. So zum Beispiel bei den fol- genden Fotografien: In unserem Album gibt es ein Bild, das mich mit meinem Vater und meinem Bruder auf einem Schiffsdeck zeigt. Niemand konnte oder wollte mir sagen, wann diese Reise statt- gefunden hatte. Ein weiteres Bild zeigt mich in der Primarschulzeit am Schwarzen Meer, von dem ich das Entstehungsdatum kannte. Ich bemerkte nun plötzlich, dass ich auf beiden Bildern dieselben Schuhe trage und konnte so unsere Schiffsreise als die Reise einordnen, auf der unser Vater uns in die Türkei zu unseren Verwandten gebracht hatte. Eine weitere Beobachtung betrifft die Tatsache, dass sich meine Eltern wohl nie mit ihrer Rolle als «Fabrikarbeiter:in- nen» identifizieren konnten. In unseren Alben gibt es nur vier Fotografien, die meine Eltern an ihrem Arbeitsplatz zeigen, obschon sie dort 30 Jahre gearbeitet hatten. Umgekehrt ist die Zeit nach ihrer Rückkehr in die Türkei und ihre Arbeit als Unternehmer:innen in den Bildern sehr gut dokumentiert. Die mehrjährige Recherchearbeit mit Gaby Fierz er- weiterte meinen Blick aber auch über meine Familie hinaus. Die Lebensgeschichten, die wir in Form von Interviews und den Erzählungen zu den jeweiligen Fotoalben zusammentrugen, zeigten mir schnell viele Gemeinsamkeiten mit den Erleb- nissen anderer Familien. Mir wurde klar, wie wenig ich bis anhin über die Geschichte meiner Eltern, über ihre Migrationser- fahrungen und die ersten Jahre in der Schweiz wusste und ich begann, sie mit anderen Augen wahrzunehmen. Als eigene Persönlichkeiten, mit ihren eigenen Plänen, Wünschen und Hoff- nungen, die viele Parallelen zu anderen Migranten:innen aufwiesen. So liess sich nun beispielsweise die vorhin erzählte Geschichte über meine Schuhe in einen grösseren Zusammenhang setzen: Viele der interviewten Paare mussten in den 60er und 70er Jahren, wegen fehlender Betreuungsmöglichkeiten, ihre Kinder zurück in die Türkei zu Verwandten schicken. Die- ser Umstand hatte nicht nur meine Eltern zu ihrem Han- deln bewogen, sondern betraf auch viele andere Familien. Es zeigten sich aber auch weniger ernsthafte Gemeinsamkeiten: In den Alben finden sich zum Beispiel auffallend viele Bilder aus den 60er Jahren, auf denen sich die «Gastarbeiter:- innen» vor Blumenrabatten ablichten liessen, wohl um den Daheimgebliebenen zu zeigen, dass man es geschafft hatte und nun an einem paradiesischen Ort angekommen war. Aus unserer Sammlung an Geschichten und Bildern, die ihren Anfang in den frühen 60er Jahren hatte, und die heute drei Generationen von Frauen, Kindern und Männern umfasst, entwickelten wir schliesslich diese Ausstellung. Die langjährige Arbeit an diesem Projekt hat mir und allen Beteiligten zu einer neuen Perspektive auf unsere (Familien) Geschichten verholfen. Insbesondere bin ich sehr glücklich da- rüber, dass wir noch viele kostbare Erzählungen der ersten Auswanderer- Generation aufzeichnen konnten. Meine anfangs isolierten Geschichten und Bilder begannen sich aus meinen Alben herauszulösen und verwoben sich mit den Geschichten und Bildern der anderen Familien zu einem grossen Teppich, der an Grösse und Dichte ständig zunahm und weiter zunimmt. Auch mein eigenes Familienalbum hat sich zu einer viel- schichtigen Chronik entwickelt, die ich, mit neuem Wissen und neuen Erzählungen bestückt, der nächsten Generation weitergeben kann. Ich hoffe, dass durch diese Ausstellung auch andere Menschen dazu angeregt werden, ihre Geschichte mit neuen Augen zu sehen. Essay Home Selbst erzählen, nicht erzählt werden Gaby Fierz Welche Geschichten werden in Ausstellungen und Museen er- zählt? Wie werden sie erzählt und wer erzählt sie? Wem gehören die Geschichten? Wer hat unter welchen Bedingungen die Legitimation, über sie zu verfügen? 1 Der Stoff «Migrationsgeschichten» ist bei Kulturschaffenden in den letzten Jahren auf grosses Interesse gestossen. Das zeigt sich beispielsweise in der zunehmenden Zahl von Theater- und Ausstellungsproduktionen, die sich thematisch mit Migration beschäftigen. Doch was heisst es, wenn die Frage: «Wer spricht?» nicht nur rhetorisch gestellt, sondern ernst genommen wird und den Prozess der Entstehung einer Ausstellung begleitet? Unsere Ausstellung «Und dann fing das Leben an» zeigt private Fotografien und erzählt Geschichten, persönliche Erfahrungen. Sie ist ein Versuch, mit diesen Fragen bewusst umzugehen. Kennengelernt habe ich Ayse Yavas im Frühling 2014. Für meine Recherche über transnationale Identitäten Schweiz – Türkei im Rahmen des «YOLDA KIOSK-Projekts» 2 suchte ich Gesprächspartner:innen. Der Filmemacher und Schriftsteller Yusuf Yeşilöz riet mir, mit Ayse Yavas Kontakt aufzunehmen. An diesen Nachmittag in der Rio Bar in Zürich erinnere ich mich noch sehr gut. Wir waren zu dritt. Ihr Bruder, Genç Osman Yavaş, der seit vielen Jahren in Istanbul lebt, war für ein paar Tage zu Besuch in Zürich und kam auch dazu. Die beiden erzählten von ihrer Kindheit, ihrer Jugend, von Ent- behrungen, dem Schmerz, nicht wahrgenommen, nicht verstanden, nicht unterstützt worden zu sein. Sie sprachen aber auch von unbeschwerten, leichten Momenten und wie sie unbeirrt ihren Weg gegangen sind. Er wurde Musiker und Kinderbuchautor, sie Fotografin. Der Abend brach an, die Bar füllte sich langsam – ich war in ihre Geschichtenwelt eingetaucht, die mich berührte, betroffen machte, mich aber auch über die Offenheit und das mir entgegengebrachte Vertrauen staunen liess. Wir hatten uns doch eben erst kennengelernt. Ein Jahr später rief mich Ayse Yavas an und fragte, ob ich mit ihr die Geschichte(n) ihrer Eltern, ihrer Familie, Ver- wandten und Bekannten, die in den 1960er- und 1970er- Jahren aus der Türkei in die Schweiz migrierten, aufarbeiten möchte. Für meine Antwort brauchte ich keine Bedenkzeit. Ich fühlte mich geehrt und freute mich sehr. Es war das erste Mal, dass ich von jemandem, der selbst erfahren hat und erfährt, was Migration bedeutet, angefragt wurde und nicht ich die Idee und Initiative zu einem solchen Projekt hatte. Ich war neugierig auf den Prozess des Co-Kuratierens und gespannt, wie sich unsere Positionen, Betroffenheiten und Perspektiven gegenseitig befruchten und ergänzen, mög- licherweise aber auch widersprechen würden. Migration (aus der Türkei) – eine Leerstelle in Erinnerungsinstitutionen Ayse Yavas und mich verbindet das gemeinsame Interesse, weisse Flecken und Leerstellen punkto Migration – und spezifisch auch Migration aus der Türkei – in der Schweizer Er- innerungslandschaft zu beleuchten. Sie aus persönlicher Betroffenheit und vom Standpunkt einer «Expertin des Alltags» in Sachen Migration aus, ich aus der Sicht einer komplizen- haft verbundenen Schweizer Ethnologin und Kuratorin. Komplizenhaft verstehe ich im Sinne des postmigrantischen Dis- kurses: Ich anerkenne und bin mir bewusst, dass ich nicht über Migrationserfahrung verfüge und mich daher umso mehr um eine respektvolle und sorgfältige Zusammenarbeit bemühe, um dem gemeinsamen Anliegen, Migration in der Schweizer Erinnerungskultur sichtbar zu machen, Nachdruck zu verleihen. Denn der Stand der Dinge ist, dass trotz zahlreicher Ini- tiativen seit Ende der 1990er-Jahre, Migration in Erinnerungs- institutionen zu verankern, das Thema in Schweizer Museen nach wie vor kaum präsent ist. Zwar wird es, wie der Historiker und Kulturwissenschaftler Thomas Sieber in seinem Über- blicksartikel «Migration exponieren» schreibt, in Sonderausstellungen aufgenommen, ist aber in Dauerausstellungen und Sammlungen kaum vertreten. Diese Nicht-Repräsentation hänge eng mit dem Selbstverständnis von Museen als nationale, regionale oder lokale Erinnerungsinstitutionen zu- sammen. In diesem Selbstverständnis werde Migration als ein per definitionem grenzüberschreitendes und konfliktbehaftetes Phänomen tendenziell ausgeschlossen (Sieber, 2017). Die so innerhalb von nationalen, regionalen und lokalen Grenzen gewachsenen Erinnerungskulturen halten sich bis heute hartnäckig. Dies, obwohl 2022 mindestens die Hälfte der Bevölkerung in der Schweiz Familienmitglieder hat, die aus- serhalb der helvetischen Grenze leben. Diese Diskrepanz ist störend. Und sie motiviert mich seit vielen Jahren, diese Leerstellen und weissen Flecken in der Schweizer Erinnerungs- kultur aufzudecken. Bereits meine ersten Ausstellungen «Feste im Licht. Religiöse Vielfalt in einer Stadt.» (2004 / 2005), «Urban Islam» (2006), «Alphorn, Chai und Plastikbuddha. Was ist Heimat?» (2007) im Museum der Kulturen Basel zeigten, wie Migration die gesellschaftliche und kulturelle Entwick- lung der Schweiz vorantreibt. Im Projekt «Zürcher!nnen machen» (2017) 3 stellte ich die Frage nach Zugehörigkeit. Ab wann gehört jemand dazu, ist Teil der Gemeinschaft, Teil der Erinne- rungskultur? Diese Spurensuche erfordert Recherchen, die aus oben dargelegten Gründen über staatliche, städtische Ar- chive und Museumssammlungen hinausgehen, die den Le- bensraum hier und dort miteinbeziehen und Verbindungen zu Erinnerungen und Erzählungen der Menschen herstellen. Denn nur so gelingt ein Perspektivenwechsel, wie ich gemeinsam mit der Politikwissenschaftlerin Bilgin Ayata und ihren Studierenden der Soziologie an der Universität Basel in der Aus- stellung «Çok Basel!» 4 zeigen konnte. Indem wir die Erinnerungskultur Basel mit Fokus auf Migration untersuchten, machten wir Leerstellen und weisse Flecken in der Erinnerungs- landschaft Basels sichtbar (Fierz, 2021). Private Fotografien zeigen, aber wie? Zu Beginn unserer Recherche und auf der Suche nach Spuren der Migration aus der Türkei in die Schweiz konsultierten wir auch Fotoarchive, bspw. das Archiv von Keystone oder das Archiv des Migros Genossenschaftsbundes, wurden aber kaum fündig. Wir realisierten, dass wir diese Art der anonymen stereotypen Fotografie «Der Gastarbeiter aus der Türkei» nicht zeigen wollten. Uns interessierte vielmehr die subjektive Erfahrungswelt der Einwanderer:innen aus der Türkei, wie sie sich in privaten Fotografien in Familienalben zeigt. Das Album von Ayse Yavas wurde zum Ausgangspunkt und zur Leitidee unserer Recherche. Auch das Interesse für Fotografie verbindet uns, doch der Bezug und die Positionen zu Fotografie sind verschieden. Ayse Yavas ist Fotografin und führt seit ihren Teenager-Jahren ein persönliches Fotoalbum-Tagebuch. In einem eigens für diese Ausstellung konzipierten «Album-Albüm» gibt sie Ein- blick in diese langjährige assoziativ-künstlerische Praxis. Mein Interesse als Ethnologin und Kuratorin an der Foto- grafie ist eher ein inhaltliches und formales. Mich interes- sieren private Fotografien aus Familienalben als Erinnerungsträger, als festgehaltene Augenblicke, die bei den Betrachter:innen Geschichten von früher wieder auferstehen lassen. In den Interviews mit unseren dreissig Gesprächspartner:in- nen verwendeten wir die privaten Fotografien aus den Alben als Speicher von Erinnerungen im Sinne der Photo Elicitation- Methode (Bignante, 2010). Fotografien sind aber auch Speicher von Informationen: Kleider, Arrangements, Settings geben mir eine Idee, in welcher Zeit die Fotografie entstanden ist, aber auch Auskunft über den sozialen Status der Porträtierten. Aus der Art und Weise der Inszenierungen lassen sich Wünsche und Wertvorstellungen sowohl der Fotograf:innen wie auch der Personen auf den Bildern ablesen. Diese zwei unterschiedlichen Positionen – eine eher assoziativ-künstlerische und eine eher analytisch-dokumentarische – standen sich im Prozess der Ausstellungskonzeption und zu- gespitzt bei der Auswahl der Fotografien für die einzelnen thematischen Stationen der Ausstellung gegenüber. Sie führten zu intensiven Diskussionen und Auseinandersetzungen. Kei- ne von uns beiden gab sich mit halbherzigen Kompromissen zufrieden. Doch anstatt einzig auf der eigenen Position zu beharren, liessen sich beide auf die jeweils anderen Positionen ein. Wir lernten dazu, ohne die eigene Haltung aufzugeben. Doch nicht nur unsere fachlichen Positionen und Zugänge sind verschieden. Wir sind vor allem auch unterschiedlich betroffen. Unter anderem zeigte sich dies in Ayse Yavas' vor- sichtiger und sensibler Umgangsweise mit privaten Foto- grafien. Persönlich eng verbunden mit den Fotografien aus den Familienalben, warf Ayse Yavas immer wieder wichtige, ethische Fragen auf. Wie darf ich mit einer privaten Fotografie umgehen? Wie kann ich sie zeigen? Was darf ich zeigen? Sie öffnete mir den Blick über den professionellen ethischen Kodex, die ethischen Richtlinien für Museen von ICOM (2004), hinaus und sensibilisierte mich dafür, dass Fotografien, in denen ich selbst nichts Problematisches erkennen kann, für die Betroffenen mit einer schmerzhaften Geschichte ver- bunden sein können: beispielsweise die Fotografie, auf der sie mit ihrem Bruder Genç Osman auf den Schultern ihres Vaters Hüseyin Yavas auf dem Deck der Fähre Richtung Türkei zu sehen ist. Ihr Vater brachte sie damals für ein Jahr zu Verwandten in die Türkei (vgl. S. 10).
- Impressum | Ausstellung A
Impressum Home Kuratorinnen: Gaby Fierz https://gabyfierz.ch/ Ayse Yavas https://ayseyavas.ch/ Fotografie: Ayse Yavas Privatfotografien der Familien Kıran, Recan, Yavaş, Yeşiltepe, Yurtsever, Varan, Yıldız, Philipp Burger, Hansjürg Gfeller, Filiz Kolcu, Markus Mäder Interviews: Gaby Fierz, Ayse Yavas Schnitt Audio: Gaby Fierz, Juri Schmidhauser Transkriptionen Interviews: Gaby Fierz, Ayse Yavas, Olivia Fierz, Fatma Karakuş, Andreas La Roche Szenografie: Atelier Gillmann + Co GmbH, Ursula Gillmann, Karin Vidensky Grafik: Marcel Gross, Josephine Peters Übersetzung Türkisch: Genç Osman Yavaş Lektorat Türkisch: Tuğçe Togo Lektorat deutsch: Güvengül Köz Brown, Pascale Meyer, Brigitta La Roche Medien: Tweaklab AG Basel Druck: Werner Druck & Medien AG, Basel, Creaplot, Münchenstein Einen ganz herzlichen Dank geht an unsere Interviewpartner*innen für Ihre Bereitschaft, am erweiterten Familienalbum mitzuwirken: Hüseyin Yavaş (1939-2019), Meryem Yavaş, Genç Osman Yavaş, Lale Türkan Yavaş, Atilla Yavaş, Memduh Yeşiltepe, Nesrin Yeşiltepe, Peri La Roche, Elif La Roche, Andreas La Roche, Cahit Yurtsever, Tüba Saxer, Atiye Yavaş, Nihal Kıran, Ibrahim Kıran, Hansjürg Gfeller, Markus Mäder, Malik Kolcu, Filiz Kolcu, Gökşin Varan, Ümmügül Varan, Murat Muharrem Varan, Özgür Yıldız, Nesteren Tural Recan, Devin Tural, Ercan Recan, Selahattin Güneş, Philipp Burger, Emre, Neda Sakancy, Imre Sakancy, Margrit Zimmermann, Güzin Merve Trägerorganisation: Verein YOLDA Unterwegs Basel. https://yolda.ch/ Gestaltung Website: artdir GmbH Jakob Schiratzki Partner*innen Unterstützung Sponsoren